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Der Muschelsammler

 

Er setzte sich auf eine Düne, es war nass und er fror, doch er genoss das Rauschen der Wellen. Er stand auf, ging Richtung Meer und bewunderte den von den Wellen glatt gestreiften Sand vor seinen Füßen. Ihm wurde in der Nähe des Wassers auch schon viel wärmer.

„Hey!“ sagte er zu der ihm allgegenwärtigen Kraft „zeig dich mir und berühre meine Füße mit deinen Wellen!“. Das Rauschen hatte nun seine volle Aufmerksamkeit. In sich spürte er die Worte: „Bestimme du nicht die Zeichen, sie sind da! Deine Aufgabe ist es, sie zu erkennen“. Sein Blick wanderte ein Stück weiter aufs Meer. Er suchte sich eine Welle, die direkt auf ihn zukam, sie wurde immer größer, doch wanderte sie elegant und fast schon grazil auf ihn zu, bis sie kurz vor ihm brach und seinen Füßen entgegen floss. Doch sie schaffte es nicht, diese zu berühren. Keine der Wellen, die nach und nach auf den Strand krochen schaffte es. Er stand zu weit entfernt.

Er horchte erneut in sich hinein und ihm wurde bewusst, dass er sich davor fürchtete, wenn wirklich plötzlich eine Welle seine Füße berühren würde.

Mit dieser Erkenntnis schaute er wieder hinaus auf das Meer und verfolgte erneut eine immer größer werdende Welle, die Richtung Strand glitt.

Mit dieser Eleganz und mit der Geräuschkulisse, die alle vorrangegangenen Wellen erschafften, spürte er Freude in sich und er wusste: „Egal was auch passiert, das hier wird ein schönes Erlebnis“. Er war glücklich. Als er die Welle, die er mit seinem Blick verfolgte, vor seinen Füßen brechen und den dortigen Sand glätten sah, fiel ihm eine Muschel auf, die vorher nicht da war. Sie zierte den perfekt geglätteten Sand vor ihm.

Als er die Muschel sah, war ihm sofort klar: „Die möchte ich mitnehmen, als Gegenstand für diesen Moment“.

Er nutze es als Chance, dass sich eine Welle gerade wieder ins Meer zurück zog und beugte sich nach vorne um die Muschel an sich zu nehmen. Er sah sich die Muschel an. Sie war noch ein wenig mit Sand bedeckt, so nutze er die nächste Welle um die Muschel abzuspülen.
Er richtete sich wieder auf und schaute sich die Muschel an, die jetzt in einem sauberen Weiß strahlte. Plötzlich platschte es, eine Welle schlug gegen seine Füße. Jetzt wusste er, dass er einen kleinen Schritt nach vorne gemacht hatte. Er hielt inne, verfolgte noch die Welle, wie sie wieder im Meer verschwand und lächelte.

Er ließ die Muschel in seine Jackentasche fallen, drehte sich um und ging.

Simon Flöter