
(1874-1936), englischer Schriftsteller. Mit seinen Geschichten um den Amateurkriminalisten Pater Brown schuf er populäre Beiträge zum Detektiv- bzw. Kriminalroman innerhalb der englischen Literatur, zugleich aber auch Parodien von deren Konventionen.
Chesterton wurde am 29. Mai 1874 in Kensington (heute ein Stadtteil Londons) geboren und an der St. Paul's School sowie der Slade School of Art ausgebildet. Danach arbeitete er als Journalist für Londoner Zeitungen, wobei er überaus produktiv war. Seine anfangs liberale Haltung wandelte sich später zum Konservatismus; diese politische Überzeugung teilte er mit seinem Freund und Schriftstellerkollegen Hilaire Belloc, mit dem zusammen er eine konservative Zeitung gründete und dessen Romane er illustrierte. Chesterton war einer der wenigen Intellektuellen seines Landes, der sich publizistisch gegen den Burenkrieg aussprach. 1901 heiratete er Frances Blogg und übersiedelte mit ihr nach Beaconsfield (Buckinghamshire). 1916 wurde er Herausgeber des Magazins The New Witness, dessen Namen er später in G. K.'s Weekly veränderte. In fast allen seinen überaus geistreichen Schriften, die immer wieder mit den Möglichkeiten des Paradoxen spielen, trat Chesterton als Befürworter des Katholizismus auf, obgleich er erst 1922, unter großer Anteilnahme der Medien, zum katholischen Glauben übertrat - Papst Pius XI. hob ihn als einen bedeutenden „Verteidiger des katholischen Glaubens" hervor. Chesterton starb am 14. Juni 1936 in Beaconsfield.
Chestertons Œuvre von über 1 000 Essays und etwa 70 Büchern umspannt alle literarischen Gattungen; so verfasste der Autor u. a. Romane, Dramen, Aphorismen, Trinklieder (Wine, Water and Song) und Balladen (Ballad of the White Horse), aber auch theologische Abhandlungen, sozialkritische Essays sowie Gedichtbände. Heute noch bekannt sind vor allem der Roman The Napoleon of Notting Hill (1904, Der Held von Notting Hill), eine Geschichte mit politischem Hintergrund, in der Chesterton seine ablehnende Haltung gegenüber der modernen Welt zum Ausdruck brachte und das vorindustrielle Zeitalter verherrlichte - zugleich ein Beitrag zur phantastischen Literatur -, sowie The Man Who Was Thursday (1908, Der Mann, der Donnerstag war. Eine Nachtmahr), eine geistreich-metaphysische Allegorie im Gewand einer abenteuerlich-komischen Detektivgeschichte, an deren Ende sich herausstellt, dass alle Mitglieder einer Anarchistengruppe (mit Ausnahme ihres geistigen Kopfes) Polizeispitzel sind. Das Buch wurde so populär, dass es mit The Man Who Was Thirsty (Der Mann, der durstig war) - eine Anspielung an Chestertons Hang zu übermäßigem Alkoholgenuss - bald eine Parodie nach sich zog. 1909 kam der antithetische Roman The Ball and the Cross (Ballspiel mit Ideen), 1914 die Romansatire The Flying Inn (Das fliegende Wirtshaus) heraus. Im Mittelpunkt von Chestertons zwischen 1911 und 1936 entstandenen Pater-Brown-Geschichten steht ein ebenso unscheinbarer wie sympathischer katholischer Priester, der mit psychologischem Gespür abenteuerliche Kriminalfälle löst. Die Pater-Brown-Geschichten wurden mehrfach verfilmt, in Großbritannien 1954 mit Alec Guinness in der Titelrolle (Father Brown Detective) und 1979 in einer eher freien Adaption unter dem Titel Sanctuary of Fear. Im deutschsprachigen Raum wurden vor allem die Literaturverfilmungen der sechziger Jahre mit Heinz Rühmann als scheinbar harmloser Priesterdetektiv bekannt (Das schwarze Schaf, 1960; Er kann's nicht lassen, 1962).
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