
(1905-1994), Schriftsteller und Nobelpreisträger (von 1981). Er wurde am 25. Juli 1905 als Sproß einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie im bulgarischen Rustschuk geboren; seine Eltern waren als sephardische Juden ihren kulturellen Traditionen stark verhaftet. Erst mit acht Jahren erlernte Canetti die elterliche "Zaubersprache" Deutsch, in der er Zeit seines Lebens schrieb. Seine Jugend war von großer Rastlosigkeit geprägt. 1911 wanderte die Familie nach Manchester aus, wo Canetti die Schule besuchte. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter 1913 nach Lausanne, im Herbst desselben Jahres nach Wien, 1916 nach Zürich und 1921 nach Frankfurt am Main. Nach dem Abitur kehrte Canetti 1924 nach Wien zurück, um Chemie zu studieren. 1929 schloss er sein Studium mit einer Promotion ab. In Wien lernte er Karl Kraus kennen, der zu seinem literarischen Vorbild avancierte. Während eines Aufenthalts in Berlin Ende der zwanziger Jahre wurde er u. a. mit Isaak Babel, George Grosz und Bert Brecht bekannt. Nach seiner Rückkehr nach Wien verkehrte Canetti in den führenden kulturellen Zirkeln der Donaumetropole; so pflegte er intensiven geistigen Austausch mit Literaten wie Hermann Broch, Robert Musil und Franz Werfel , dem Bildhauer Fritz Wotruba sowie dem Komponisten Alban Berg. Auch machte er über deren Tochter Anna die Bekanntschaft der Witwe Gustav Mahlers, Alma Mahler-Werfel.
Anfang der dreißiger Jahre übersetzte Canetti die Bücher Upton Sinclairs für den Malik-Verlag und schrieb zwei Dramen, Die Hochzeit (1932) und Komödie der Eitelkeit (1934). Canettis einziger Roman, Die Blendung, erschien 1936. Er war schon fünf Jahre zuvor entstanden und ursprünglich als erster Teil eines literarischen Zyklus aus insgesamt acht Büchern angelegt. Figuren des geplanten Zyklus Comèdie Humaine an Irren sollten grotesk überzeichnete Zeittypen darstellen. In Die Blendung steht der weltfremde Sinologe Dr. Peter Kien im Vordergrund, der in einem selbstzerstörerischen Wahn den Gegensatz zwischen Vergeistigung ("Kopf") und Leben ("Welt") psychisch nicht mehr verarbeiten kann und am Ende mit seinen Büchern verbrennt; ursprüngliche sollte der Roman den Titel Kant fängt Feuer tragen. Er thematisiert die zunehmende Selbstentfremdung des Individuums sowie die Zerstörung der Kultur angesichts einer autoritären Massengesellschaft, die im Faschismus mündet. Canettis pointierte Charakterisierung von Personen aus dem Umfeld Kiens lassen diese symbolhaft als Prototypen einer vom Untergang bedrohten Zivilisation erscheinen.
Canetti lebte viele Jahre mit seiner Frau Veza Taubner-Calderon, die er 1934 in Wien geheiratet hatte, in London. Anfang der neunziger Jahre erschienen Erzählungen (Geduld bringt Rosen), der Roman Die gelbe Straße und das Stück Der Oger von Veza Canetti in einer Neuauflage. Nach dem Tod seiner Frau Veza 1963 lebte Canetti zeitweise in Paris, nach seiner zweiten Ehe mit Hera Buschor 1971 wurde Zürich neben London sein zweiter Wohnsitz. 1972 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, 1981 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Canetti starb zurückgezogen am 14. August 1994 in Zürich.
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